Westfalens Hörfunkanbieter zeigen DAB+ die kalte Schulter

Die LfM veröffentlichte kürzlich entgegen ihrer Ankündigung doch eine Liste mit den Namen von 46 an einer DAB+-Verbreitung in NRW interessierten Programm- und Plattformbetreibern. Es ging darum, den Bedarf an landesweiten, regionalen bzw. lokalen Multiplexen und die Anzahl der bei der Staatskanzlei anzumeldenden Frequenzen im gesamten Bundesland zu ermitteln.

Für einen landesweiten Multiplex kämen demgemäß bei 16 möglichen Belegplätzen mit jeweils 54 CUs folgende Programme in Betracht (ohne Gewähr):

Programmname Bemerkungen
domradio muß den Block 11D bis zum 30.06.2020 verlassen
deinURBANradio radioNRW mit 3 seiner bisherigen Webstreamangebote
deinROCKradio
deinSCHLAGERradio
deinfm Jugendradio der NRW-Lokalradios
1 für NRW Regiocast mit verschiedenen Formaten
80s80s
90s90s
radio ffNRW NRW-Ableger von radio ffn aus Niedersachsen
NRW.FM bisher unbekannter Anbieter
bigFM NRWs biggste beats
MEGA Radio Informationen mit Charthits, Classics und Shows
Absolut HOT Musik für positiv eingestellte Junggebliebene
Absolut musicXL
Absolut Bella
Absolut Oldie Classics
ego FM Electronic Pop, diverse Black Stile und Club Music
Radio TEDDY Privates Kinderradio für die ganze Familie
Schlager Radio B2 Deutschlands Schlager-Radio
ROCK ANTENNE Die größten Rocksongs aller Zeiten
RMNradio Music, Fun & More
PELI ONE Urban, Hip Hop, Soul & R'n'B
Radio Paradiso Sender mit christlichem Hintergrund
STAR FM Maximum Rock
KISS FM Der Beat von NRW

Auf regionaler Ebene fällt dem Betrachter ein frappierendes West-Ost-Gefälle auf. Wer konkret nach Namen außerhalb des westfälischen Ballungsraumes an der Ruhr sucht, wird überhaupt nicht fündig. Radio 91,2 Dortmund und Radio MK sind die östlichsten Bastionen auf der Landkarte. Die Mehrheit der lokalen Macher setzt weiterhin auf UKW sowie das Internet und den zukünftigen 5G-Mobilfunk als digitale Medien.

Allerdings könnte der Schuß diesmal nach hinten losgehen. Folgt die LfM bei ihrer Planung nämlich streng den Gegebenheiten, sind die 4 bisher für den Bereich Westfalen vorgeschlagenen Regionalbedeckungen obsolet. Eine anstehende Ausschreibung richtet sich eben nach dem Bedarf. Dem gesamten westfälisch-lippischen Landesteil genügt augenscheinlich ein einzelnes Ensemble, gefüllt mit den WDR2-Regionalstudio-Versionen aus Münster, Bielefeld, Dortmund und Siegen. Ob sich der ein oder andere private landesweite Anbieter noch dazugesellt, ist spekulativ. Damit stünde auf einen Schlag nur noch ein Viertel der ursprünglich angebotenen DAB+-Kapazität zur Verfügung. Mehr braucht es leider auch nicht.

Anhand der vorliegenden Interessenlage läßt sich auf ein absehbares Ergebnis schließen: Ein privater Landesmux müßte demnach gesetzt sein. Daneben jeweils ein „Westfalenmux“ und ein „Nordrheinmux“, halb öffentlich-rechtlich und halb privat. Der übrige Bedarf ist in privaten Ballungsraum- oder Lokalgemeinschaften am besten abbildbar, was die LfM allerdings bisher zu vermeiden versucht. Hier wäre dann der Großraum Dortmund der einzige westfälische Lichtblick.

Noch wissen wir nicht wie die Medienkommission tatsächlich entscheidet. Durch die andauernde Blokadehaltung eines fast kompletten Landesteils kann sich die LfM schlimmstenfalls auch darauf festlegen, die Einführung der DAB+-Technologie in ganz NRW wegen ihres Grundsatzes einer „flächendeckenden Hörfunklandschaft unter Vorgabe der Gleichversorgung aller Regionen“ überhaupt nicht mehr weiterzuverfolgen. Das hieße, solange kein Regional- oder Lokalmux für Bielefeld realisierbar ist, wird es auch kein gleichartiges Angebot in Dortmund, Düsseldorf oder Köln geben.