Neue DAB-Angebote lassen weiterhin auf sich warten

Es hätte alles einfacher laufen können! - Nach Jahren der digitalen Ablehnung und programmlicher Angebotsstagnation rang sich die Landesanstalt für Medien (LfM) Ende 2018 dazu durch, endlich den digitalen Radiostandard für Privatradios einzuführen. Ein Call of Interest zeigte, wie groß das Interesse an einer Programmausstrahlung im bevölkerungsreichsten Bundesland auch jenseits des NRW-Lokalfunkkonstruktes war und wahrscheinlich immer noch ist. Es folgten Anfang 2019 die Festlegung der Verbreitungsgebiete und anschließend die Beantragung der dafür benötigten Frequenzen über die NRW-Staatskanzlei bei der Bundesnetzagentur (BNetzA).

Bei zügiger Frequenzfindung hofften die Entscheider zu Beginn des Jahres 2020 mit einem Sendestart glänzen zu können. Die Realität hat alle Wunschgedanken zunichte gemacht. Die BNetzA kann bis heute nicht liefern. Während NRW etliche Jahre in einem thematischen Dornröschenschlaf verbrachte, haben andere Bundesländer und Nachbarstaaten ihre DAB-Planungen begonnen und perfektioniert. Besonders eifrig gingen und gehen die Niederlande zu Werke. Neben 2 nationalen Ensembles gibt es dort bereits regionale Ensembles. Nachdem NRW dann seine Planungen bekanntgab, legten unsere radioaffinen Nachbarn erst richtig los und planten ihrerseits schnell noch Lokalensembles für ihre gesamtes Staatsgebiet. Insgesamt soll es sich um mehr als 70 Einzelmuxe handeln (jedes mit eigener Frequenz bei 32 Möglichkeiten). Solange diese Gemengelage nicht endgültig abgeschlossen ist, weiß niemand, was für NRW noch übrig bleibt. Mitte 2020 soll dies hoffentlich beendet sein.

Weniger anstrengend, aber genauso aufregend verhielt es sich mit dem 2. Bundesmux in Deutschland. Die Frequenzen sind bereits koordiniert (für den Raum Dortmund ist der Kanal 9B vorgesehen). Wider Erwarten kam es in der Adventszeit 2019 zu einer außergerichtlichen Einigung aller Streitparteien. Es wurde Stillschweigen vereinbart. Am 28. Januar 2020 wurde die Vereinbarung auch von der zuständigen Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) abgesegnet. Die organisatorische wie inhaltliche Planung soll jetzt schnellstmöglich beginnen, damit spätestens zur Internationalen Funkausstellung (IFA) im September 2020 die ersten Programme auf Sendung sind.