Regionalmuxe sind ein Glücksfall für das Ruhrgebiet

Die Digitalisierung des Hörfunks schreitet nun auch in NRW mit Riesenschritten voran. Erst im Oktober des letzten Jahres ging der 2. nationale Multiplex auf Sendung und voraussichtlich ein Jahr später startet der Landesmux für private Veranstalter. Klärungsbedarf besteht nach dessen Ausschreibung eigentlich nur noch bei der Entscheidung, ob ein Plattformbetrieb eingeführt wird. Das endgültige Ergebnis soll im Mai vorliegen. Eine aktuelle Programmübersicht siehe hier - unter „audio.digital“. Dabei handelt es sich lediglich um den ersten Teil der DAB-Planungen der Landesanstalt für Medien (LfM).

Neben der landesweit einheitlichen Bedeckung wird es noch eine zweite NRW-Bedeckung für Privatradios geben, eingeteilt in 6 Einzelfrequenzen für eine regionale Auseinanderschaltung in gebietsmäßig festgelegte Alloments, auch „Kacheln“ genannt. Bis in den Herbst 2022 hinein sind die für NRW von der Bundernetzagentur (BNetzA) geplanten Frequenzblöcke noch teilweise in den Niederlanden vertraglich aktiv gebunden. Erst nach deren Freigabe sind sie neu koordinierbar und werden danach von der LfM ausgeschrieben.

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NRW wäre nicht NRW, wenn es keinen außerordentlichen Umstand in einer Sache gäbe. Diese rundfunkspezifische Besonderheit hat das Ruhrgebiet mit seinem zentralen Großsender in Langenberg. Auf der analogen Ultrakurzwelle versorgt die Einrichtung das gesamte Landeszentrum. Gerade dort gibt es das auffällige Szenario, daß mehrere DAB-Regionalkacheln (Essen-Niederrhein, Düsseldorf-Wuppertal, Dortmund-Südwestfalen) direkt aufeinandertreffen. Keine kann auf eine Versorgung via Langenberg verzichten. Auch der Kreis Recklinghausen, zur Kachel Münsterland gehörend, liegt im Einzugsbereich.

Deshalb kommt der Strahlungscharakteristik der DAB-Sendeantenne eine strukturell entscheidende Bedeutung zu. Für alle Frequenzblöcke sollte von vornherein eine Rundstrahlung vorgesehen werden - keine sektorbezogenen Richtstrahlungen! So können alle beteiligten Drittanbieter sicher davon ausgehen, daß ihr Programm im gesamten Ruhrgebiet empfangen werden kann, egal welcher Kachel sie durch die LfM zugewiesen worden sind. Die wenigen freien Plätze sind heiß begehrt. Mit geschicktem Belegmanagement ließe sich sogar eine anders nicht erzielbare Vielfalt erreichen. Auf bekannte Interessensbekundungen basierende Beispiele siehe hier - unten. Den Lokalradios entstünden deswegen keine Nachteile, ihre Reichweite vergrößerte sich durch den Overspill enorm.

Somit ist die einheitliche Verteilung von 48 DAB-Programmen, darunter mindestens 23 von Drittanbietern, vom Ankerpunkt Hordtberg aus auf 3 Frequenzblöcken möglich, ohne daß sich die veranschlagten Ausstrahlungskosten ändern müssen. Eine einzigartige Situation, die es auszunutzen gilt!

Versorgungsgrafik des Ballungsraums Ruhrgebiet über den Sendestandort Velbert-Langenberg:

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Sender Hordtberg mit 10 kW ERP in Rundstrahlung
(rot/gelb=indoor, grün=mobil, blau=Außenantenne)